Menu

Der Gründer

FERENC KELLE

Ferenc_Kelle
Ferenc Kelle

Auszüge aus einem Interview mit Ferenc Kelle, Filmakademie-Gründer

 

FASSMACHER:
Herr Kelle, für eine Ausbildung im Bereich Film interessieren sich die Menschen überall. Ihre Filmschule sitzt in Berlin, Kreuzberg. Da wäre also zunächst einmal die Frage nach dem Ort: Warum gerade hier?

KELLE:
Wenn ich da gleich mal korrigieren darf – wir sind keine Filmschule, sondern eine private Filmakademie. Filmschulen und Filmhochschulen wie die Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam oder die Hochschule für Fernsehen und Film München sind staatlich organisiert oder wenigstens staatlich kontrolliert. Wir sind eine private Ausbildungsstätte, und damit haben wir ganz andere Möglichkeiten, auf die Wünsche, Interessen und Bedürfnisse der Leute einzugehen, die bei uns Filmseminare belegen. Aber zu Ihrer Frage – für Berlin sprechen zwei ganze Felder von Gründen: Da ist zum einen Berlin als Filmstadt und zum anderen Berlin als filmische Stadt. Als Filmschaffender in der Filmstadt Berlin finden Sie hier eine komplette exzellente Infrastruktur. Sie haben Filmstudios. Sie haben Kopierwerke. Die Firma Osram ist hier zu Hause, wo Lampen für Film und Kino hergestellt werden. Unzählige kleine und große Filmfestivals finden hier statt. Und dann können Sie sich hier natürlich problemlos jederzeit mit anderen Filmschaffenden aus allen denkbaren Bereichen treffen und austauschen, mit Regisseuren, Kameraleuten, Schauspielern und Filmtechnikern. Berlin als filmische Stadt hat Qualitäten zu bieten, die Sie in anderen europäischen Städten vergeblich suchen: Sie können hier Stellen finden, die wie Stuttgart aussehen, und andere, die wie Moskau aussehen. Für jede gewünschte Stimmung finden Sie hier so gut wie fertige Motive, die stärksten Kontraste, manchmal nur wenige Straßen voneinander entfernt. Und dann gibt es natürlich einen wunderbaren Himmel über Berlin – darüber gibt es auch schon einen Film.

 

FASSMACHER:
Und wieso gerade Kreuzberg?

KELLE:
Einfach weil wir hier die perfekten Räumlichkeiten für unsere Filmakademie gefunden haben. Wir haben hier einen Raum für den Filmschnitt, einen für die Kameratechnik, dann das wahrscheinlich kleinste echte Kino der Stadt mit einer Cinemascope-Leinwand, das Büro, die kleine Teeküche – alles, was Sie hier sehen.
Und wenn wenn man über etwas Kompliziertes nachdenken muss, geht man kurz über die Straße, spaziert den Landwehrkanal entlang, guckt aufs Wasser und kommt meistens mit einer guten Idee zurück.

FASSMACHER:
Apropos „gute Idee“ – wie sind Sie als Kameramann denn überhaupt auf die Idee gekommen, eine Filmschule, pardon, eine private Filmakademie zu gründen?

KELLE:
Das ist naheliegender, als Sie vielleicht denken. Gerade in den Berufsbildbeschreibungen für Kameraleute ist nachzulesen, dass der Kameramann auch zuständig ist für die Ausbildung des Nachwuchses. Das habe ich selbst am Anfang meiner Karriere genau so erlebt: Die Kameraleute, neben denen ich damals gearbeitet habe, haben nie ein Geheimnis aus ihrer Kunst gemacht, sondern sie haben mir immer genau erklärt, was sie wie und warum machen. Außerdem kenne ich diesen Geist des selbstverständlichen, eigentlich natürlichen Lehrens und Lernens schon aus meiner Kindheit. Da habe ich in der Radio-Werkstatt meines Vaters nach Schaltbildern, die er mir erklärt hat, mit seiner Hilfe einiges zusammengelötet, und dann wurde am Ende ein Radio draus.

FASSMACHER:
Und was erwartet nun die Seminarteilnehmer, die sich an der Filmakademie Kelle für die zweisemestrige Filmausbildung einschreiben?

KELLE:
Wie Sie schon sagten, viele Leute, zumeist junge, was aber keineswegs Voraussetzung ist, haben den Wunsch, in der Filmbranche zu arbeiten – meistens als Schauspieler oder Regisseure, weil sie das Gefühl haben, so am ehesten mit ihrer Arbeit berühmt werden zu können. Aber sie haben noch keine solide Vorstellung davon, was sie eigentlich genau machen wollen oder wo ihre Stärken liegen. An unserer Akademie lernen sie nicht nur, wie ein Film gemacht wird, sondern sie machen wirklich ihren eigenen Film. Die Ausbildung ist umfassend, „ganzheitlich“, wenn Sie so wollen. Die Absolventen durchlaufen während ihrer Filmausbildung unter der Anleitung unserer Dozenten jede einzelne Phase der Filmproduktion, von der Entwicklung des Drehbuchs über die Produktionsplanung, die Kalkulation, die Regie, das Szenenbild, die Kameraarbeit, die Schauspielführung, bis zum Filmschnitt. Dabei kann es durchaus passieren, dass jemand, der glaubte, als Regisseur arbeiten zu wollen, den Platz hinter der Kamera oder beim Filmschnitt viel interessanter findet. Oder jemand träumte vom Beruf des Szenenbildners und entdeckt hier sein Regie- oder Produktions-Talent. 

FASSMACHER:
Das ist ohne Zweifel äußerst nützlich für das Finden des eigenen Weges im Filmmetier. Aber was genau stellt dann jemand, der an Ihrer Filmakademie das Filmemachen gelernt hat und weiß, was er will, mit seinem Wissen und seinen erworbenen Fähigkeiten an?

KELLE:
Wer die Akademie erfolgreich verlässt, hat seinen eigenen, selbst produzierten Film in der Hand. Allein damit schon beweist jeder Absolvent in jeder beliebigen späteren Bewerbung seine Fähigkeit, auch die komplexesten, schwierigsten Aufgaben erfüllen zu können. Wenn er in der Filmbranche bleiben will, wovon wir ausgehen, kann er durch das ihm zur Verfügung stehende Material jederzeit und überall jedem Filmschaffenden unmittelbar vorführen, was er kann, denn die an unserer Akademie erstellten Filme werden mit genau der professionellen Technik produziert, die Filmemacher auf der ganzen Welt verwenden. Außerdem ist er dann schon längst Teil eines Netzwerks von Filmschaffenden geworden – überlegen Sie mal, mit was für einer Menge unterschiedlichster Leute und mit wie vielen Institutionen Sie während einer Filmproduktion zu tun haben, von den Kontakten zur Filmwelt, die über unsere Dozenten entstehen, ganz zu schweigen.
Und wer seine Kenntnisse und Fähigkeiten durch den Besuch einer Filmhochschule noch weiter vertiefen oder ausbauen will, kann da sofort seinen eindrucksvollen Bewerbungsfilm vorlegen.

FASSMACHER:
Wer viel weiß, will noch mehr wissen?

KELLE:
So sieht’s aus.

Das Interview führte Jakob Fassmacher (freier Autor)

  • Werdegang von Ferenc Kelle
  • Professionelles Fotografenstudium
  • Ausbildung zum Kameramann, öffentlich-rechtliches Fernsehen Budapest, Ungarn
  • Weiterbildung im Bereich Malerei und Kunstgeschichte an der Kunsthochschule Pécs, Ungarn
  • Dozent für Kameratechnik beim Ungarischen Fernsehen Budapest
  • Absolvent der „Director of Photography Masterclass“ bei Oscar-Preisträger Vilmos Zsigmond ASC ( u.a. Steven Spielberg „Unheimliche Begegnung der dritten Art“),
  • Kurbelkopf-Schwenker (geared head operator)
  • Studienaufenthalt am West Surray College of Art and Moving Image, Großbritannien
  • Kriegsberichterstattung während der rumänischen Revolution, 1989
  • Freiberufliche Tätigkeit als Kameramann seit 1990 in Deutschland, u.a.
  • „Der Clown“ – Fernsehserie (RTL)
  • „Yurga- Land hinter den Bergen“ (DW), Dokumentarfilm
  • „Alarm für Cobra 11“ Fernsehserie (RTL)
  • „Die Entzweiten“ Spielfilm Ungarn/Jugoslawien
  • Verschiedene Magazinbeiträge für öffentlich-rechtliche und private Sendeanstalten, u.a. SpiegelTV, 37 Grad (ZDF),
  • Diverse Werbespots
  • „Stadttraum“, „Windblumen“ Experimentalfilme
  • „Testament eines Walfängers“ (Arte/ZDF), Dokumentarfilm
  • Zoltan Kodàly „Die Spinnstube“(MTV-Budapest) – Musikfilm
  • „The Clock“ Kurzfilm (West Surray College of Art and Moving Image, Großbritannien)
  • Eröffnung der privaten Filmakademie Kelle, Tätigkeit als Leiter und Dozent

Teilen Sie unsere Leidenschaft