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Berliner Morgenpost

Neue Filmakademie in Kreuzberg eröffnet

28.03.2009

Von Sören Kittel

 

Wer den Kameramann und seit neuestem Filmschul-Direktor Ferenc Kelle danach fragt, was ihn dazu trieb, eine Ausbildung für den Umgang mit Digitalkamera in Berlin anzubieten, hört eine Geschichte von seiner Großmutter in Ungarn.

„Sie war Metzgerin“, sagt Kelle, „aber fast jeden Abend ging sie nach Ladenschluss ins Kino.“ Mit 14 Jahren war der Berufswunsch des jungen Ferenc denn auch Kameramann. „Doch obwohl ich immer mit herkömmlichen Filmrollen gearbeitet habe“, sagt er, „sehe ich die Zukunft bei der Digitalkamera.“

Am 19. Mai werden die ersten Kursteilnehmer im Hinterhof am Paul-Lincke-Ufer eintreffen. Doch diese werden in der zwölfmonatigen Ausbildung zum Digitalkameraassistenten nicht nur mit Tastatur und Bildschirm konfrontiert. „Ich halte es für wichtig, dass die Studenten auch wissen, woher die Technik kommt.“ Ferenc Kelle hat deswegen in dem Räumen auch analoge Schnittplätze und Projektoren aufgestellt. „So kann man bestimmte Prozesse, die jetzt digital möglich sind, besser erklären.“

Neben dieser bisher einzigartigen Ausbildung für datenbasierte Filmproduktionen bietet die Schule noch ein Grundlagenstudium Kamera/Regie/Schnitt an. Das richtet sich vor allem an Filminteressierte, die in den zwei Semestern einen Kurzfilm für ihre Bewerbung an einer Filmhochschule erstellen könnten. „Nebenbei bekommen Studenten ein umfassendes Bild über die Entstehung eines Films vermittelt“, sagt Dozent Kai Bagsik, der sich auf Filmarchitektur spezialisiert hat. „Die Absolventen sollen eben nicht nur die Entstehung eines Films kennen lernen, sondern auch filmanalytisches Grundwissen bekommen.“ Neben Experten zur Schauspielführung und Filmrecht gibt es deswegen auch eine Expertin zur Niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts.

Dass es einen gestiegenen Bedarf nach Filmausbildung mit einem Schwerpunkt auf die Digitaltechnik gibt, wurde dem Team um Ferenc Kelle schnell klar. „Bewerbungen kamen aus der ganzen Welt“, sagt er. Einer seiner Studenten ist der 22-jährige Indonesier Achmad Ubaidillah. Er kam vor neun Monaten nach Friedrichshain. Ihm gefällt an der Ausbildung, dass es im Kontakt mit Dozenten keine starke Hierarchie gibt. Auch das will die Akademie etablieren. Letztlich geht es ja um Filme, die sich Menschen nach Ladenschluss gern anschauen wollen.

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