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Berliner Woche

"Pauline" wird ein Filmstar

31. August 2011

Studenten drehten auf Spreedampfer ihren Abschlussstreifen

 

Charlottenburg. Nur noch ein verständnisvolles Lächeln rief bei den Passanten die Verfolgungsjagd der Polizei nach einem Dieb auf der Caprivibrücke hervor.

An der Anlegestelle sahen sie auf dem Dampfer die Filmscheinwerfer strahlen. Die Studenten der Filmakademie Kelle drehten ihren Abschlussfilm „Stadtverführung“ an Bord des romantischen Spreedampfers „Pauline“. Der Schlepper lief 1901 vom Stapel. Er diente in der Hamburger Speicherstadt als Bugsierer. In den 1940er-Jahren wurde der Dampfkessel durch einen Drei-Zylinder-Dieselmotor ersetzt, der den Hafenschlepper bis heute antreibt. Im Frühjahr 2000 wurde „Pauline“ halb gesunken in Greifswald entdeckt und von Berliner Schiffsliebhabern restauriert. Seit 2001 kann man auf der „Pauline“, die als einziger Schlepper als Fahrgastschiff zugelassen ist, auf der Spree schippern.

Just das passiert in der Komödie, die Jörg Behnke dreht: Auf dem Schiff wartet eine Reisegruppe auf ihren Reiseführer. Für den hält sie den flüchtenden Dieb, worauf der Kahn ablegt. Die Herrschaften erhalten eine seltsame Stadtführung, denn der Dieb ist ein Inder, der die Berliner Sehenswürdigkeiten aus seiner heimatlichen Kenntnis zu beschreiben versucht. So wird der Reichstag zum Taj Mahal. Die Motive und die Vorkenntnisse der Studenten der Akademie sind ganz unterschiedlich. Jörg Behnke hat bereits ein abgeschlossenes künstlerisches Studium und beim Fernsehen als Redakteur gearbeitet. Studentin Friederike Adlung arbeitet hauptberuflich beim Flüchtlingshochkommissariat der UNO. Sie will ihre Arbeit mit filmischen Mitteln unterstützen und hat sich deshalb mit einer guten Kamera ausgerüstet.

Bei ihrer Arbeit begegnet sie häufig großen Schauspielern wie Angelina Jolie und Brad Pitt. Das will sie dokumentieren und Filme, die die Herzen der Menschen für die Flüchtlingsproblematik öffnen, auf Festivals zeigen. Das Handwerk dazu will sie an der Kelle Akademie lernen. Ferenc Kelle gründete seine Akademie vor zwei Jahren in Kreuzberg am Paul-Lincke-Ufer 30. In zwei Semestern Grundlagenstudium lernen die Studenten vom selbst entwickelten Drehbuch bis zum fertigen Kurzfilm von etwa zehn Minuten Länge einen Film zu fertigen. Eine Besonderheit ist, dass an dieser Schule der Kurbelkopfschwenk gelehrt wird, wie er in amerikanischen Film üblich ist, aber nirgendwo sonst in Europa gelehrt wird. Die Akademie arbeitet eng mit der Universität der Künste, in deren modernen Tonstudio die Filmmusik eingespielt wird, und auch mit der Maskenbildnerschule Hasso von Hugo zusammen.

Bekannte Schauspieler

Für die Produktion an der Caprivibrücke konnten mit Katja Götz und Prashant Prabhakar zwei renommierte Schauspieler in den Hauptrollen besetzt werden. Katja Götz spielte unter anderem 2010 in dem mit dem Max-Ophüls-Preis usgezeichneten Film „Suicide Club“ die Hauptrolle der Sylvi. Prashant Prabhakar ist den TV- und Kinozuschauern aus zahlreichen Film- und Serienrollen bekannt. Er spielte unter anderem in „Stromberg“ und „Tatort“ und diversen Spielfilmen mit. FW

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion

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